24.12.2025 | 5 Min

Feiertage nachholen? Nein danke!

„Gut erholt in den Niedergang“ beschreibt pointiert den Zustand Deutschlands: Die wirtschaftliche Lage ist so angespannt wie seit Bestehen der Bundesrepublik nicht mehr, gleichzeitig wird öffentlich darüber nachgedacht, zusätzliche freie Tage zu schaffen.
Statt über Leistungsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Motivation zu sprechen, dominiert die Idee, wie man noch ein bisschen mehr Freizeit aus dem System herausquetschen kann – unabhängig davon, was das für Arbeitgeber, Standort und Gesamtwirtschaft bedeutet.

feiertagneindanke
  1. Die Idee: Feiertage am Wochenende einfach nachholen

Auslöser der Diskussion ist der Vorschlag, gesetzliche Feiertage, die auf einen Samstag oder Sonntag fallen, unter der Woche „nachzuholen“.
Begründet wird das mit „Fairness“ gegenüber Arbeitnehmern und dem Hinweis, gut erholte Beschäftigte würden ja schließlich auch Arbeitgebern nutzen – eine Argumentation, die auf den ersten Blick sympathisch klingt, aber zentrale Realitäten ausblendet.

  1. Wer wirklich arbeitet: Wochenende ist nicht für alle frei

Der Vorschlag setzt stillschweigend voraus, dass am Wochenende sowieso alle frei haben – ein Blick in die Realität zeigt das Gegenteil.
Menschen in Pflege, Krankenhäusern, Notdiensten, Tankstellen, Logistik, Gastronomie und vielen anderen Bereichen halten das Land gerade dann am Laufen, wenn andere frei haben.

Für diese Gruppen ist die Forderung, Wochenend-Feiertage „nachzuholen“, ein Schlag ins Gesicht:

Wer am Feiertag oder Wochenende ohnehin arbeitet, hat von der theoretischen „Fairness“ nichts.

Die politische Bubble, in der Wochenenden und Brückentage selbstverständlich sind, blendet große Teile der arbeitenden Bevölkerung aus – genau das sorgt für berechtigten Frust.

  1. Wirtschaftliche Lage: Das teuerste Symbolsignal, das man senden kann

Deutschland befindet sich im dritten Jahr in Folge im Wirtschaftsabschwung – eine Konstellation, die es in dieser Schärfe historisch so noch nicht gab.
In dieser Situation über zusätzliche faktische Feiertage zu diskutieren, ist nicht nur wirtschaftlich fragwürdig, sondern auch symbolisch brandgefährlich.

Denn jeder zusätzliche arbeitsfreie Tag kostet Milliarden an Wirtschaftsleistung.

Pro zusätzlichem Feiertag gehen je nach Berechnung mehrere Milliarden Euro an Bruttoinlandsprodukt verloren.

Bei zwei nachgeholten Feiertagen – etwa, wenn beide Weihnachtsfeiertage auf ein Wochenende fallen – läppert sich das schnell zu einem relevanten Prozentbruchteil der Jahresleistung.

In einer Phase, in der Standort, Industrie und Wettbewerbsfähigkeit ohnehin unter Druck stehen, sendet das Signal: „Wir können es uns leisten, noch mehr rauszunehmen.“ – genau das Gegenteil dessen, was nötig wäre.

  1. Beispiel 2027: Weihnachten am Wochenende – und die Rechnung dazu
    An einem Beispiel wird deutlich, wie absurd die Logik wirkt:
    Fallen die Weihnachtsfeiertage (25. und 26. Dezember) auf Samstag und Sonntag, würde das nach dieser Logik bedeuten, dass unter der Woche dafür zwei zusätzliche freie Tage geschaffen werden sollen.

Das Ergebnis: Am Jahresende gönnt sich das Land „gut erholt“ noch einmal einen messbaren Abschlag beim Wirtschaftswachstum – nicht, weil es objektiv notwendig ist, sondern weil man eine gefühlte „Unfairness“ kompensieren will.

Anstatt über Effizienz, Strukturreformen oder Entlastungen zu sprechen, wird darüber debattiert, wie man die ohnehin wenigen produktiven Tage weiter reduziert.

Die eigentliche Gefahr: Solche Vorschläge verschieben das Mindset – plötzlich wirkt es normal, über immer weniger Arbeit bei gleichbleibenden Ansprüchen zu sprechen.

  1. Mindset-Frage: Leistungskultur oder Komfortkultur?
    Hinter der Debatte steckt weniger eine juristische oder kalendarische Frage, sondern eine Haltung:

Wollen wir ein Land sein, das seine wirtschaftlichen Probleme durch mehr Freizeit „löst“, während andere Standorte Tempo machen?

Oder ein Land, das sagt: Feiertage bleiben, wie sie sind – aber wir verschieben nicht die Spielregeln, nur weil ein Datum mal ungünstig aufs Wochenende fällt?

Statt Feiertage nachzuholen, wäre es konsequenter, über echte Leistungsanreize, Entbürokratisierung, bessere Rahmenbedingungen und Wertschätzung für diejenigen zu sprechen, die das System tragen – inklusive derer, die an Feiertagen und Wochenenden arbeiten.

Andere Länder: Manche schaffen Feiertage sogar ab
Während hierzulande über zusätzliche freie Tage gesprochen wird, haben andere Länder Feiertage bereits reduziert oder abgeschafft, um ihre Wirtschaft zu stärken.
Auch in Deutschland wurde schon darüber diskutiert, Feiertage aus wirtschaftlichen Gründen zu streichen – ohne dass das flächendeckend umgesetzt wurde.

Der Punkt ist nicht: „Alle Feiertage abschaffen.“
Sondern: „Lasst Feiertage so, wie sie sind – regional unterschiedlich, historisch gewachsen – aber hört auf, in einer Krise darüber nachzudenken, wie man noch mehr arbeitsfreie Tage kreiert.“

Wer mehr Feiertage will, kann theoretisch in ein Bundesland mit mehr kirchlichen Feiertagen ziehen – muss dann aber auch höhere Lebenshaltungskosten und andere Rahmenbedingungen mittragen.

Schluss: Danke, aber bitte ohne zusätzliche Freitage in die Krise
Am Ende des Jahres bleibt ein doppelter Appell:

Persönlich: Nutze die bestehenden Feiertage, erhole dich, verbringe Zeit mit Familie und Freunden – dafür sind sie da.

Gesellschaftlich: Lass uns aufhören, in einer wirtschaftlichen Ausnahmesituation über zusätzliche bezahlte Auszeiten zu diskutieren, während Motivation und Leistungsbereitschaft im Land ohnehin erodieren.

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