- Erbschaftsteuer als Investition in neue Wertschöpfung?
Eine denkbare Position wäre deshalb, bei extrem großen Vermögensübertragungen genauer hinzusehen.
Nicht mit dem Ziel, zusätzliche Einnahmen einfach im allgemeinen Staatshaushalt verschwinden zu lassen, sondern um damit gezielt neue wirtschaftliche Chancen zu schaffen.
Einnahmen aus der Besteuerung sehr großer Erbschaften könnten beispielsweise unmittelbar für bessere Bedingungen für Gründer, Investitionen, Infrastruktur oder Zukunftstechnologien eingesetzt werden.
Der Gedanke dahinter:
Bestehendes Vermögen soll nicht bekämpft werden – neues Vermögen muss wieder entstehen können.
Deutschland braucht nicht weniger erfolgreiche Unternehmer. Im Gegenteil.
Es braucht mehr Menschen, die Unternehmen aufbauen, Innovationen schaffen, Arbeitsplätze ermöglichen und international wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle entwickeln.
Leistung muss wirtschaftlichen Aufstieg ermöglichen
Genau hier liegt der entscheidende Punkt.
Es geht nicht darum, dass jeder Mensch am Ende das gleiche Vermögen besitzen muss. Eine Marktwirtschaft wird immer unterschiedliche Einkommen und Vermögen hervorbringen.
Problematisch wird es aber dann, wenn wirtschaftlicher Aufstieg zunehmend davon abhängt, in welche Familie jemand hineingeboren wurde.
Wer eine gute Idee hat, Risiken eingeht, Arbeitsplätze schafft und über Jahrzehnte ein Unternehmen aufbaut, sollte zumindest die realistische Möglichkeit haben, wirtschaftlich ganz nach oben zu kommen.
Wenn dagegen bestehende Milliardenvermögen weitgehend unter sich bleiben und gleichzeitig die Hürden für neue Unternehmer steigen, entsteht langfristig eine geschlossene Vermögenselite.
Das wäre weder für die Wirtschaft noch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt eine besonders gute Entwicklung.
Fazit: Deutschland braucht wieder mehr Selfmade-Erfolg
Die Tatsache, dass ein großer Teil der deutschen Milliardäre sein Vermögen geerbt hat, ist zunächst keine Kritik an den Erben selbst.
Sie ist vielmehr ein Hinweis auf eine strukturelle Frage:
Warum entstehen bei uns so wenige neue Milliardenvermögen durch Unternehmertum?
Deutschland besitzt Know-how, Kapital, gut ausgebildete Fachkräfte und eine lange Tradition erfolgreicher Unternehmen. Die Voraussetzungen für neue internationale Erfolgsgeschichten wären grundsätzlich vorhanden.
Entscheidend ist deshalb, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen sich Leistung und Unternehmertum wieder stärker lohnen.
Denn eine gesunde Wirtschaft braucht nicht nur Menschen, die bestehendes Vermögen bewahren.
Sie braucht vor allem Menschen, die neues schaffen.